Haus im Wandel

Kleines Schätzchen im Umbau

Hattstedt (eventmal.de) – Seit einiger Zeit herrscht Leben in der ehemaligen Galerie Skrodzki. Im blau-weißen, langgestreckten Haus an der Bundesstraße stehen die Fenster auf, der Hof birgt Baumaterial und zeigt, hier passiert etwas.

Fliesen HusumAus dem Dornröschenschlaf erweckt haben es die Besitzer Hans Zipf und Sabine Lösel aus dem fränkischen Ort Lauf. Beide verbindet die Liebe zum Norden und bei einem Besuch entdeckten sie den ehemaligen Bauernhof in Hattstedt. „Auf der Rückfahrt zu unserem Hotel sprachen wir eine halbe Stunde kein Wort“, erinnert sich Hans Zipf. Dann sagte seine Frau: „Das ist es, nicht wahr?“ Denn neben seinem Beruf, dem Garten- und Landschaftsbau, ist Hans Zipf von einer weiteren Leidenschaft ergriffen: Er liebt alte Häuser und die Restaurierung macht ihm Spaß. Für einen Hof in Süddeutschland, der durch seine Arbeit wieder in neuem Glanz erstrahlt, hat er sogar einen Preis des Denkmalschutzes erhalten. Mittlerweile hat er Handwerker eingestellt, denn noch kann der aktive Mittsiebziger mit seiner Frau, die selbst einen sehr bekannten Blumenladen in Lauf leitet, nicht immer in Hattstedt sein.

„Eine Wohnung ist mittlerweile jedoch fertig und soll vermietet werden, eine zweite soll folgen und die dritte werden wir für uns selbst als Loft einrichten“, sagt Hans Zipf. Und dann ist da noch das ehemalige Galerie-Café. Das hatte er von der Familie Skrodzki komplett übernommen. Auch, wenn alles weitgehend entkernt wurde, sind vor allem die Fliesengemälde des Künstlers – der Tönninger und der Husumer Hafen – erhalten geblieben. Diese müssen aus der Schaffenszeit Skrodzkis um 1977 sein. Eine Jahreszahl fehlte bei der Signatur. Wenn es nach dem Wunsch der Besitzer geht, sollen diese auch vor Ort bleiben.

Fliesen Toenning„Wir versuchen, soweit es geht, die Bausubstanz wie das imposante Treppenhaus und die kleinen Schätze zu bewahren. Für Nutzungsideen sind wir immer offen“, so Hans Zipf.

Wann immer so ein historisches Haus mit neuem Leben gefüllt wird, stellt sich die Frage, welche Geschichte es hat. Da geht am Hattstedter Dorfchronisten Johann Carstensen kein Weg vorbei. Er kennt jedes Haus und in „seinem“ umfangreichen Archiv, das im Bürgerbüro zu finden ist, schlummern Fotos und Informationen, zu denen er auch immer noch Geschichten zu erzählen hat.

Und so kann er belegen, dass das Haus Nr. 59 an der Bundesstraße aus dem Jahr 1870 und im Erdbuch als Nummer 92 vermerkt ist. Die ersten Besitzer waren der Landwirt Hans Peter Hansen und seine Frau Anna, geborene Lorenzen. Ihnen folgte 1892 Sohn Peter Hansen, dann übernahm 1919 deren Tochter Godje Amanda Hansen es mit ihrem Mann, dem Bauern und Stellmacher Christian M. Iwersen, 1965 ging es dann auf deren Sohn Thomas Wilhelm Iwersen über. Es blieb im Familienbesitz bis 1975 und wurde auch immer landwirtschaftlich genutzt. Der Dorfchronist vermutet, dass es ursprünglich auch als Krog geplant war.

Johann Carstensen webWarum es dann nicht dazu kam, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. „Es könnte sein, dass er damals keine Lizenz bekam“, so Johann Carstensen. Der etwas modernere Anbau wird auf die Zeit nach 1947 datiert, wie Carstensen noch ergänzt. Die Loh wurde um 1970 zugebaut.

Im Rahmen der Flurbereinigung siedelte Thomas Iwersen in die Hattstedter Marsch, das Hausgrundstück wurde an Schlachtermeister Karl Heinrich Petersen übergeben.

Eine Nutzungswandlung erfolgte, als der Kunstmaler Günter Skrodzki und seine Frau Rosi das Haus kauften und dort eine Galerie mit angeschlossenem Café einrichteten. Über viele Jahre machten zahlreiche Kunstliebhaber weit über die Grenzen Nordfrieslands hinaus in Hattstedt Station. Die Kombination von Kunst mit Kaffee und Kuchen ging eine Zeitlang auf. Auch, wenn das Café schloss, wurde die Galerie noch bis zum Tode des Künstlers (Januar 2012) betrieben. Seine Familie entschloss sich danach zum Verkauf des Hauses. Seitdem stand es zumindest scheinbar leer.

Doch nun passiert etwas. Die Besitzer setzen gemeinsam mit Architektin Barbara Barten die Pläne nach und nach um und Chronist Johann Carstensen hofft, dass die drei Linden links am Haus auch zukünftig noch ihren Platz dort behalten. „Sie sind untrennbar mit der Geschichte des Hauses verbunden“, so der Kenner.

Wann genau alles fertig sein wird, das weiß Hans Zipf noch nicht. „Wie in jedem alten Haus üblich, birgt es ein paar Überraschungen und wir wollen auch nicht hetzen, sondern Stück für Stück zu Bewahrendes bearbeiten und Neues schaffen.“ Und so wird nun ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses beginnen.

 

Historische Fotos ( u.a. von Iwersen und Skrodzki) aus dem Archiv der Hattstedter Dorfchronik mit freundlicher Genehmigung von Johann Carstensen. 

Aktuelle Fotos: Blume. Im Text oben: Der Husumer Hafen, Mitte: der Tönninger Hafen. Unten: Dorfchronist Johann Carstensen.

 

 

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