Mühle Fortuna

Ist ein Museumsdorf auf jeden Fall nostalgisch?

Unewatt (eventmal.de) – Was erwartet man als Besucher von einem Museumsdorf? Nostalgie oder gelebtes Leben?

Unewatt 21052017 61Ich erwarte ein bisschen Beschaulichkeit und unverändertes Dorfleben von Anno Dunnemals, viel Informationen darüber, wie es früher war und irgendwie auch ein bisschen Leben vergangener Zeiten ohne Autos, wenngleich auch „inszeniert“. Das gelingt zum Beispiel in Molfsee. Doch es gibt einen Ort in Angeln, der sozusagen „gelebtes Museum“ ist.Das Landschaftsmuseum Unewatt liegt in der Nähe von Langballig und ist gut über die B199 zu erreichen.

Mein letzter Besuch liegt geschätzt 20 Jahre zurück, entsprechend verzerrt sind daran die Erinnerungen. Aber ich weiß noch, dass einige Wege relativ unbefestigt waren, ich mit einer handgetöpferten Schale und einigen Spezialitäten nach Hause fuhr, die man dort erwerben konnte. So hatte ich mich nun irgendwie darauf eingestellt, mich an frisch gebackenem Brot, Wurst- oder Käsespezialitäten oder Handwerkskunst erfreuen zu können. Das war allerdings ein Trugschluss. Am Internationalen Museumstag war der Eintritt frei. Eine sehr positive Überraschung.

Unewatt bietet auf fünf „Museumsinseln“ Information über das Leben, wie es wohl unsere Groß- und Urgroßeltern noch kannten. Die Buttermühle, die Windmühle Fortuna, die Christesenscheune oder der Marxenhof. Überall gibt es entweder Sonderausstellungen oder Dauerausstellungen zu sehen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie damals Schule, Arbeits- und Wohnwelt gewesen sein müssen.

Nun ist Unewatt aber etwas Besonderes. Es leben hier ganz normal Menschen. Sie fahren Autos, sie wohnen auch in restaurierten Häusern – also ganz modern. Und hier wird es seltsam. Die Straßen sind geteert. Das Landhaus Unewatt ist ein „normales“, öffentlich zugängliches und auch mit Auto anzufahrendes Restaurant.

Alles hat bis auf die fünf Museumsinseln, die sich innerhalb eines 1,7 Kilometer langen Rundweges befinden, gar nichts Nostalgisches und schon erst recht nichts romantisch Verklärtes an sich. Kaputte Wellblechdächer gehören auch eher nicht zu dem, was Charme verbreitet.

Wer als Fotograf auf wenigstens viele schöne Motive hofft, muss schon suchen. Man traut sich kaum, mal Gärten zu fotografieren, da sie so sehr privat aussehen oder wo auf diese Privatsphäre mit Schildern hingewiesen wird. So manches, was sich lohnen würde, ist zum Schutz hinter hohen Hecken versteckt.

Unewatt 21052017 15Im Marxenhof wird gerade eine Ausstellung gezeigt, in der die Bewohner aufzeigen können, was sie vom Leben im Museumsdorf halten, was sie erwarten oder erhoffen. Darunter fanden sich viele, die sich mehr Besucher und mehr „junges“ Leben wünschen. Die Privatsphäre soll allerdings respektiert werden. Dennoch hätte man mit vielen Gästen auch nette Gespräche geführt, die plötzlich auf dem Hof standen im Irrglauben, dass es sich um etwas Museales handele.

„Es ist hier so wenig los“, stand dort auch. Ja, das wundert mich nicht. Ein paar Ausstellungshäuser machen noch kein lebendiges Museumsdorfleben.

Vielleicht habe ich einfach nur einen falschen Tag erwischt, dennoch hätte ich mir für einen Internationalen Museumstag mehr Aktionen gewünscht oder irgendetwas, das man hätte ausprobieren und nicht nur hätte anschauen können. Nun war das Wetter besonders schön und entschädigte für die gut einstündige Anfahrt. Aber leider war ich auf diese Weise schnell durch mit dem Anschauungsunterricht.

Es gibt jedoch ausgewählte Veranstaltungen, wie Lesungen oder Führungen oder dem Herbstmarkt, wie der Flyer aufweist und die man auch auf der Homepage finden kann. Da mag dann mehr los sein. So ist es zwar nett dort, aber lädt nicht wirklich zu regelmäßig wiederkehrenden Besuchen ein. Schade eigentlich, das Dorf hätte unglaublich Potenzial.

 

Kleines Foto oben rechts: Die Langballigau fließt malerisch durch Unewatt.
Kleines Foto unten rechts: In der Scheune des Marxenhofes kommen die Bewohner selbst zu Wort.

 

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