Carla Werner

Guttempler: Ein Leben in Gemeinschaft

Risum-Lindholm/ Husum (eventmal) - Vom 25. bis 28. Mai findet das jährliche Bundestreffen der Guttempler im NCC in Husum statt.

guttemplermuseum webDer Weg in die Sucht ist sehr viel leichter, als der wieder hinaus. Das Gläschen Sekt beim Empfang, das Bier am Abend – für Alkoholkranke sind das jeden Tag aufs Neue Herausforderungen, denen es zu trotzen gilt.

Die Guttempler sind dabei mehr als eine Selbsthilfegruppe, sie sind ein Abstinenzverband und haben auch alkoholpolitische Forderungen wie etwa 0,0 Promille im Straßenverkehr oder kein Alkohol in der Schwangerschaft. In einer freundlichen und aufgeschlossenen Atmosphäre wird Mitgliedern und Gästen in den Guttempler-Gemeinschaften der Weg zu einer alkoholfreien Lebensweise aufgezeigt. Vertrauen und Verschwiegenheit sind dabei die Basis für das Miteinander. Mit den Leitworten Enthaltsamkeit, Brüderlichkeit und Frieden ist zudem schon umrissen, welche Zielsetzung die Gemeinschaft hat.

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder aus den elf Landesverbänden in Deutschland zu einem Bundestreffen. Der achte Guttemplertag, in neuer Form, wird im Mai nun in Husum sein. Eingeladen hat dazu der Landesvorsitzende der Guttempler Schleswig-Holstein Hans-Jürgen Kain.

Eine engagierte Guttemplerin, die sich auch maßgeblich um das Rahmenprogramm kümmert, ist Carla Werner aus Bargum, Mitglied der Guttempler-Gemeinschaft „Friedensheim“ in Risum-Lindholm. Ihre Geschichte steht für viele andere Betroffene und macht Mut. Es ist also durchaus möglich, das Leben neu zu gestalten. Die jetzt 64-jährige Hausfrau und Mutter von drei Kindern, zwei Schwiegerkindern und fünf Enkeln wusste durch ihre Eltern von der Gemeinschaft in Risum-Lindholm. „Mein Mann und ich sind alkoholabhängig. Uns gibt es Halt, es ist gut, Probleme erörtern zu können. So ist man nie allein und die Mitglieder der Gemeinschaft wissen durch eigene Erfahrung, wovon man spricht. Doch es geht um weit mehr. Natürlich diskutieren wir auch andere Themen und wir unternehmen gemeinsam etwas.“

Dadurch, dass sie selbst Hilfe erfahren hat, engagiert sie sich sehr, um Angehörigen und Betroffenen zu zeigen, dass ein Leben ohne Alkohol und Drogen schön ist.

„Mir ist wichtig, in den Schulen und in der Öffentlichkeit auf das Problem ‚Drogen in der Gesellschaft‘ hinzuweisen und einen Weg aus diesem Teufelskreis aufzuzeigen. Es gibt nämlich immer Hilfe und einen Weg hinaus“, sagt sie überzeugt.

Neben den vielen Beratungsangeboten weist Carla Werner auf das Suchthilfe-Nottelefon in Schleswig-Holstein hin, das in diesem Jahr 15 Jahre Bestehen feiert. Unter 01805/982855 finden Betroffene rund um die Uhr immer ein offenes Ohr eines ehrenamtlich engagierten Guttempler-Mitgliedes. Über 5000 Gespräche hat es so schon gegeben. Neben dem wichtigen Zuhören werden aber auch Möglichkeiten aufgezeigt, Probleme zu lösen. Eine Telefonnummer zu ortsnahen Hilfsangeboten ist häufig schon der erste Schritt. Den Weg, etwas verändern zu wollen, muss der Betreffende jedoch selbst gehen.

In Husum werden sich vom 25. bis 28. Mai ungefähr 500 Guttempler aus dem ganzen Bundesgebiet treffen. Aber neben Regularien und der Fachtagung „Alter SUCHT Jugend“ stehen hauptsächlich schöne, von der Wiedersehensfreude geprägte, Gespräche an. Da darf ein Besuch im Guttempler-Museum in Mildstedt (kleines Foto) nicht fehlen und natürlich gehört eine Stadtführung mit dem Besuch des Storm-Hauses ebenfalls dazu. Der Leuchtturm in Westerhever und eine Fahrt zum Multimar sowie zu den Seehundsbänken mit einem Besuch auf der Hallig Hooge, runden das lange Wochenende ab. Aber auch zu den Abendveranstaltungen, mit einem interessanten Programm im NCC Husum, wird eingeladen. Weitere Informationen gibt es unter www.kongress.guttempler.de .


Infos zu den Guttemplern:

Gegründet 1851 in Utica im US-Staat New York als „Independent Order of Good Templars“ (IOGT). Bereits damals, und das ist etwas ganz Besonderes für die Zeit, waren sie für die Gleichberechtigung der Rassen sowie der Geschlechter. Über England und Skandinavien kam die Guttemplerbewegung 1889 nach Schleswig-Holstein.

  • Enthaltsamkeit bedeutet Freiheit von persönlichkeitsverändernden Drogen.
  • Brüderlichkeit heißt Bereitschaft zur Hilfe, ohne Gegenleistung zu fordern.
  • Frieden fängt bei jedem selbst an und bedeutet Konfliktbewältigung ohne Gewalt.

Unter www.guttempler-sh.de findet man alle wichtigen Informationen sowie Ansprechpartner. Der Landesverband der Guttempler in Schleswig-Holstein hat seinen Sitz in Kiel. 

(Anmerkung: Dieser Bericht ist in ähnlicher Form in der Beilage "Gut Leben" von Flensborg Avis erschienen, Februar 2017)

 

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